Dipl.-Ing. Bernd W. Krupka
Landschaftsarchitekt
BDLA- IFLA - BDB
Sachverständiger ö.b.v. AK Niedersachsen
Dienstleistungen zu:
  • Dach- und Bauwerksbegrünungen
  • Bau- und Abdichtungstechnik
  • Vegetationstechnik
  • Verfahrensfragen
  • Qualitätsprüfung
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    Einschichtige Extensivbegrünungen auf Flachdächern ohne Gefälle PDF Drucken E-Mail
    1. Die Probleme
    Die Etablierung einschichtiger Extensivbegrünungen auf Flachdächern läuft häufiger nicht so problemlos ab, wie es die an sich ausgereifte Vegetationstechnik vorgibt. Als Sachverständiger hatte sich der Verfasser häufig mit Vegetationsbildern neu hergestellter oder auch etwas älterer Einschichtbegrünungen zu befassen die nicht der erwarteten Optik niedriger Sedum-Begrünungen mit Kräutern entsprachen, indem:
    • die Sedum-Bestände sich nicht flächendeckend etablierten
    • die einzelnen Sedum-Arten fast vollständig ausgefallen waren
    • die Begrüngungen stark vermoosten
    • starke Verkrautungen und Gräseraufwuchs in manchmal meterhohen Beständen vorhanden waren
    • ein flächendeckender dichter Sämlingsaufwuchs von Gehölzen vital weiter wuchs und nicht wie üblich vertrocknete
    • eine in den Frühjahrsmonaten scheinbar intakte üppig grüne Vegetation mit der ersten Trockenperiode fast völlig vertrocknete und sich eine „Heuwiesen Optik“ einstellte.

    Diese optisch sehr auffälligen Zustände von Einschichtbegrünungen führten zur Verweigerung von Abnahmen, Bemängelungen nach der Abnahme, Ansprüchen zur Kostenerstattung von Schnittmaßnahmen und nicht selten auch zu Gerichtsverfahren.

    Image
    Abildung 1: Fremdvegetation
    profitiert vom Wasseranstau
      Image
    Abbildung 2: Dränschicht aus
    Schüttstoff mit Anstauzone



    2. Die Ursachen
    Die Ursachen in den oben beschriebenen Zuständen der Begrünungen, die als problematisch und vertragsrechtlich strittig erkannt wurden, lagen fast immer in der nicht vorhandenen oder unzureichenden Gefälleausbildungen der Flachdachaufbauten. Dies ist jedoch ein Leistungsbereich, der im Regelfall nicht im Wirkungsfeld des Landschaftsarchitekten oder Landschaftsgärtners liegt, sondern dem Bereich der Gebäudeplanung und dem Dachdecker zuzurechnen sind. Dennoch betreffen die Mängelfeststellungen an den Einschichtbegrünungen in der Regel unmittelbar den ausführenden Unternehmer oder auch den Planer.

    Flachdächer ohne oder mit zu geringer Gefälleausbildung werden immer noch sehr häufig erstellt, obwohl die Regelwerke für das Flachdach immer schon eine Gefälleausbildung von mindestens 2% vorgeschrieben haben. Dies geben die „Flachdachrichtlinien“ (Ziff. 2.1). und die jetzt neu bearbeitete DIN 18531, „Dachabdichtung – Abdichtung für nicht genutzte Dächer“ (Ziff. 6.4) mit 2% Mindestgefälle – auch für Kehlausbildungen – vor. Eine nicht vorhandene oder unzureichende Gefälleausbildung führt zu völlig veränderten Standortvoraussetzungen der Vegetation von Einschichtbegrünungen. Es stellt sich nämlich ein nicht beabsichtigter Wasseranstau ein, wie er üblicherweise für Intensivbegrünungen gezielt geplant wird. Dieser Wasseranstau führt in der vegetationstechnischen Wirkung zu Staunässe sehr unterschiedlicher Dauer im Schichtenaufbau der Einschichtbegrünungen, die im Regelfall zwischen 6–10 cm dick sind (Abb. 1). Die Staunässe ist definitiv die Ursache verschiedenster Veränderungen der geplanten Vegetationszusammensetzung. In Abhängigkeit von der Dachflächengröße, Entwässerungsgeometrie, Lage der Dachabläufe und sonstigen Randbedingungen können sich folgende, völlig veränderte Standortvoraussetzungen einstellen:

    • vollflächiger Wasseranstau bis ca. 3 cm Höhe von zeitlich begrenzter Verweildauer,
    • partielle Wasserstauzonen, teilweise bis zur Oberfläche der Vegetationstragschicht im Bereich von Senken auf der Dachoberfläche; auch vor erhöht liegenden Dachabläufen
    • Dauernässe der unteren Schichtbereiche mit Wasserfilm auf der Abdichtung bzw. Schutzvlies,
    • Dauerfeuchte bzw. vernässte Teilflächen mit geringer Verdunstungsrate, die im Sonnen- oder Windschatten liegen.

     


     
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